Das Portal Alltagskulturen im Rheinland

Das Portal Alltagskulturen im Rheinland

Das Portal Alltagskulturen im Rheinland bietet Ihnen Informationen und Recherchemöglichkeiten zum Alltag im 20. Jahrhundert. Sammlungen und Bestände von drei LVR-Einrichtungen (LVR-Freilichtmuseum Kommern, LVR-Freilichtmuseum Lindlar, LVR-Institut für Landeskunde) werden hier verfügbar gemacht.

Das Portal: Quellenrecherche und Themenlektüre

Das Portal Alltagskulturen im Rheinland verbindet zwei grundlegende Angebote: Erstens ermöglicht es eine Recherche in den digitalisierten Beständen zu Alltagskulturen im Rheinland, zweitens ermöglicht es einen Zugang über inhaltliche Themenbereiche und entsprechende Texte. Ein Wechsel zwischen beiden Bereichen ist jederzeit möglich und die Verknüpfungen werden immer wieder aufgezeigt. So werden zu jedem Thema in der rechten Spalte über verschiedene Facetten passende Quellen angezeigt. Umgekehrt ist im Recherchebereich auch die Suche nach Texten der Themenseiten möglich.

Die hier vorliegenden Quellenbestände zu grundlegenden Alltagspraxen und Repräsentationsformen wurden nach inhaltlichen Kriterien erschlossen, miteinander verknüpft und in digitaler Form für Wissenschaft und Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht. Sie sind über eine Facettensuche intuitiv recherchierbar und mit kontrollierten Vokabularen verschlagwortet.

Themen der Alltagskultur wurden aus wissenschaftlicher Perspektive allgemeinverständlich aufbereitet und in Schwerpunktthemen vorgestellt. So entsteht ein facettenreiches Bild der Wandlungsprozesse im Rheinland des 20. Jahrhunderts.

Wandel im ländlichen Raum 1900-2000

Das Portal will Einblicke in die Lebenswelt des 20. Jahrhunderts geben. Diese Zeitphase betrachten wir nicht statisch fixiert, sondern greifen immer dort weiter in die Vergangenheit zurück, wo dieses für das Verständnis eines Phänomens bedeutsam ist. Genauso werden Entwicklungen nach Möglichkeit bis in unsere Gegenwart, also ins 21. Jahrhundert, weiterverfolgt. Insbesondere die Rolle des ländlichen Raums wird thematisiert: War er Motor für Veränderungen und Innovationen oder kann und konnte hier nur auf städtische Entwicklungen reagiert werden? Welche Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten bestehen? Wie hat sich der Arbeitsalltag in den ländlichen Gebieten des Rheinlands während der letzten hundert Jahre verändert? Was bedeutet es, wenn das Wohnhaus gleichzeitig Arbeitsstätte ist oder jeden Tag Wege zum Arbeitsplatz in der Stadt zurückgelegt werden müssen? Wie wurde gekocht, gegessen, wer war für die Ernährung zuständig und welche Techniken spielten dabei eine Rolle? Welchen Einfluss hatten und haben die großen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, wie Kriege, Technisierung, Verstädterung oder Globalisierung auf den Alltag? Das Portal gibt auf diese Fragen Antworten und wird dabei immer wieder an ausgewählten Beispielen übergreifende Prozesse des Wandels aufzugreifen.

Themen der Alltagskultur in Zusammenhängen aufzeigen

Alltagskultur zeichnet sich durch vielfältige Bezüge, durch individuelle Ausformungen und lokale Strukturen aus. Diese komplexen Verbindungen und heterogenen Formen werden besonders im Bereich zu Themen der Alltagskultur aufgezeigt und allgemeinverständlich vermittelt.

Pilotthema des Projektes war die Bandweberei, zu der in allen drei LVR-Einrichtungen zahlreiche Bestände lagern – angefangen vom ganzen Bandweberhaus über den Webstuhl mit Weberschiffchen, Garnen und Musterbüchern bis hin zur Einrichtung des Hauses mit so unterschiedlichen Objekten wie das Kaffeeservice und die Arbeitsschürze der Bandweberin. Ergänzt werden diese durch Fotos und Filme über den Arbeitsalltag. Dabei wurde auch herausgearbeitet, wie sich Produkte, Arbeitstechniken und Sozialstrukturen wandelten. In diesem Zusammenhang wurden auch andere Bereiche der Arbeitskultur beleuchtet.

Im Anschluss wurde Nahrung als kulturelles Phänomen betrachtet. Von Einkauf und Anbau im eigenen Garten bis zum Mahlzeitensystem und dem Essen außer Haus wurden die unterschiedlichen Aspekte analysiert. Dafür wurden nicht nur Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Geschirr und Besteck erfasst, sondern auch Herde und andere Küchengeräte der unterschiedlichen technischen Entwicklungsstufen des 20. Jahrhunderts sowie einmaliges Umfragematerial und zahlreiche Fotos.

Von der Küche ging es im nächsten Schritt in die Wohnräume. Möbel und Kleinmöbel wurden ebenso digital erfasst wie Wandschmuck und Accessoires, dazu kommen Fotos mit Innen- und Außenansichten von unterschiedlichen Wohnalltagen. Wie Möbel hergestellt, angeschafft und genutzt wurden, konnte dabei aufgezeigt werden. Die Funktionen der Räume wandelten sich im 20. Jahrhundert, Badezimmer oder Kinderzimmer entstanden neu.

Das Portal stellt außerdem exemplarisch Bräuche und Rituale als immaterielles kulturelles Erbe des Rheinlandes vor. Auch hier sind die Bezüge zu materiellen Objekten, zu Akteuren und lokalen Bedeutungskontexten besonders interessant. Hierzu liegen bisher vor allem Fotos vor, die das Brauchgeschehen und die Ritualpraxis zeigen.

In den nächsten Monaten und Jahren wird das Portal Alltagskulturen im Rheinland weiter ausgebaut. Neue Themenbereiche werden ebenso ergänzt wie weitere einmalige, jetzt erstmals online zugängliche Quellen aus dem Alltag des 20. Jahrhunderts.

Das Pilotprojekt: gefördert durch die DFG

Das Projekt „Digitales Portal Alltagskulturen im Rheinland – Wandel im ländlichen Raum 1900-2000“ wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den Jahren 2013 bis 2017 finanziell gefördert. Die Ergebnisse werden hier präsentiert und bieten einen vollkommen neuen inhaltlichen wie technischen Zugang zum kulturellen Erbe des Rheinlands. In den Archiven der drei beteiligten LVR-Kultureinrichtungen (LVR-Freilichtmuseum Lindlar, LVR-Freilichtmuseum Kommern und LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte) schlummert ein faszinierender Bestand ganz unterschiedlicher Quellen zum Alltagsleben einer Region: Fotos, Filme, Interviewaufzeichnungen sowie tausende von Objekten vom Werkzeug bis zur kompletten Kücheneinrichtung.

Diese bislang nicht systematisch erschlossenen Bestände wurden im Pilotprojekt in einer thematischen Auswahl digitalisiert und miteinander vernetzt, um sie so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Parallel zu dieser Datenbank, in der nun recherchiert werden kann, entstand der thematische Teil des Portals Alltagskulturen im Rheinland, in dem exemplarisch gezeigt wird, wie man durch eine vergleichende Analyse der unterschiedlichen Quellen den Wandel im ländlichen Raum von 1900 bis 2000 erfassen kann. Die Ergebnisse sind nun erstmals für Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich.

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