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Ich bin gelernter Bandweber

Menschen im Alltag zwischen Heim-und Industriearbeit

Für die Bandweber im Bergischen Land änderten sich durch Industrialisierungs- und Modernisierungsprozesse im 20. Jahrhundert die Arbeitsabläufe und die Anforderungen an ihr Wissen um handwerkliche und technische Fähigkeiten fundamental.

Sozialer Wandel durch einen veränderten Berufsalltag

Mann in einer Bandweberei, um 1910.
Foto: Unbekannt/LVR

Das per­sön­li­che Le­bens­um­feld der in der Band­we­be­rei Be­schäf­tig­ten hat sich im Lau­fe der letz­ten 100 Jah­re gra­vie­rend ge­wan­delt. Mit dem Rück­gang der Haus­band­we­be­rei ­lös­te sich die Ein­heit zwi­schen Woh­nen und Ar­bei­ten in der Heim­ar­beit zu­neh­mend auf, und der Ar­beits­platz lag nun nicht mehr in räum­li­cher Ver­bin­dung zur Woh­nung. Dies hat­te mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf das täg­li­che Zu­sam­men­le­ben der Fa­mi­li­en. Zum ei­nen wa­ren die üb­ri­gen Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen im­mer we­ni­ger in das Be­rufs­le­ben des haupt­ver­die­nen­den Fa­mi­li­en­mit­glieds ein­ge­bun­den, zum an­de­ren fand ei­ne ein­deu­ti­ge­re Un­ter­schei­dung zwi­schen Ar­beits- und Frei­zeit statt. Die Tren­nung von Wohn- und Ar­beits­räu­men spie­gel­te sich auch in der Ein­rich­tung und Nut­zung der Woh­nun­gen und Häu­ser oder im Mahl­zei­ten­sys­tem wi­der.

Unveränderte Arbeitsteilung

Hausbandweber und Hausbandweberin am Bandwebstuhl (nachgestellte Szene), Dhünn 1975
Foto: Simons, Gabriel/LVR

Weit­ge­hend un­ver­än­dert blieb in der Band­we­be­rei je­doch trotz der De­mo­kra­ti­sie­rung in vie­len an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Be­rei­chen die Ar­beits­tei­lung  zwi­schen den Ge­schlech­tern. Schon um 1900 wa­ren die Män­ner für den Be­trieb der Web­stüh­le und die da­mit ver­bun­de­nen tech­ni­schen Fra­gen zu­stän­dig, wäh­rend die in der Band­we­be­rei tä­ti­gen Frau­en fast aus­schlie­ß­lich die Vor- und Nach­ar­bei­ten so­wie die Über­prü­fung der fer­ti­gen Pro­duk­te über­nah­men. Dar­an hat sich bis heu­te nur we­nig ge­än­dert.

Arbeitsalltag im Wandel

Webraum der Firma Bornemann-Etiketten GmbH
Foto: Herden, Stephanie/LVR

Um den An­sprü­chen ei­ner sich glo­ba­li­sie­ren­den Wirt­schaft ge­recht zu wer­den und kon­kur­renz­fä­hig blei­ben zu kön­nen, muss­ten sich vie­le Band­we­be­rei­en auf ein be­stimm­tes Pro­dukt­feld spe­zia­li­sie­ren. Die Her­stel­lung der Wa­ren fin­det heu­te mit we­ni­gen Aus­nah­men in Fa­bri­ken mit voll­au­to­ma­ti­schen Web­stüh­len statt, häu­fig gibt es Stand­or­te im Aus­land. Bei der Be­die­nung der Ma­schi­nen ist ein tech­ni­sches Ver­ständ­nis not­wen­dig, was sich auf die An­for­de­run­gen an die Aus­bil­dung der Band­we­ber und der zu­ge­hö­ri­gen Be­rufs­fel­der aus­wirkt. Der Be­ruf wird nun nicht mehr an die von klein auf hel­fen­den, jün­ge­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­der wei­ter­ge­ge­ben, statt­des­sen fin­det die Aus­bil­dung in Fir­men und Be­rufs­schu­len statt. Die Le­bens- und Be­rufs­ge­schich­ten der Ak­teu­re der Band­we­be­rei sind Bei­spie­le für den in­di­vi­du­el­len Um­gang mit so­zia­len, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen und da­für, wie ih­re Aus­wir­kun­gen das Ar­beits- und All­tags­le­ben zwi­schen 1900 und 2000 von Grund auf ver­än­der­ten.

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