Anton Keldenich, ein Künstler aus der Eifel, hielt seine Erlebnisse und Verluste im Ersten Weltkrieg sowie persönliche Tragödien in einfachen Gemälden fest. Sein Werk, welches von Dorfansichten bis hin zu ausdrucksstarken Darstellungen von Tod und Trauer reicht, vereint religiöse und patriotische Motive.
Anton Keldenichs frühe Jahre und künstlerischer Beginn
Winterlicher Friedhof bei Dämmerung, Anton Keldenich (1931)
Foto: Jan Clevinghaus/Landschafsverband Rheinland, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Der Tod als profaner Bestandteil des Lebens zeigt sich unvermeidlich und omnipräsent. So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Kunst sich immer wieder und epochenübergreifend mit dem Ende weltlicher Existenz sowie dem Sinn des Lebens und Sterbens befasst – so auch der Maler und Künstler Anton Keldenich aus der Eifel. 1874 in Wüschheim geboren, wird sein künstlerisches Talent bereits früh erkannt, als er in seiner Funktion als Stallknecht pittoreske Dorfansichten an Stallwände malt, woraufhin er eine Malerlehre absolviert.
Religiöse Motive und der Erste Weltkrieg
Skelett als Maschinengewehrschütze, Anton Keldenich (1915-18)
Foto: Jan Clevinghaus/Landschaftsverband Rheinland, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Keldenich selbst war überzeugter Patriot und gläubiger Christ, woraus sich bereits zwei große Themen seines künstlerischen Schaffens ableiten lassen. In seinen Skizzen aber auch einigen Gemälden zeichnet er religiöse Motive, darunter zahlreiche Darstellungen der Passion Christi. Die religiöse Komponente bleibt ein immer wiederkehrender Bestandteil seiner Kunst. Nachdem er sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militärdienst meldet und zunächst abgewiesen wird, erhält er Ende des Jahres 1915 den Stellungsbefehl. In den folgenden Kriegsjahren wird Keldenich in seinen Kriegstagebüchern, aber auch in größerer Dimension, seine Impressionen der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts künstlerisch als auch in Prosa konservieren. Da der Tod einen inhärenten Bestandteil des Kriegs darstellt, findet er sich auch in Keldenichs Darstellungen aus den Jahren 1915-1918.
Darstellung von Tod und Trauer in Keldenichs Kunst
Beerdigungsszene mit Geistlichem und Trauergemeinde, Anton Keldenich (1936)
Foto: Jan Clevinghaus/Landschaftsverband Rheinland, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Die Illustration von Tod und Trauer lässt sich in seinen Werken keineswegs in eine homogene Form gießen. Einerseits bedient er sich Allegorien der Gewalt in ihrer aggressivsten Zuspitzung, andererseits zeichnet er geradezu farbenfrohe Stillleben des Gedenkens. Die Darstellung des „Knochenmannes“, abgeleitet aus der hochmittelalterlichen Kunstgattung des sogenannten „Totentanzes“, erwuchs aus der Angst und dem Leid der grassierenden Pestepidemien. Somit bemüht Keldenich eine westeuropäisch-christlich geprägte Motivik, um dem Schrecken des Ersten Weltkriegs Gestalt zu verleihen. Die Trauer findet sich in seiner Verarbeitung der 50 Millionen Toten und Verwundeten, welche der Krieg schlussendlich fordert. Keldenich malt speziell 1917 viele Friedhofsansichten und Totenmärsche, um seiner gefallenen Kameraden zu gedenken.
Persönliche Verluste und Keldenichs letzte Jahre
Der nahende Tod – Allegorische Darstellung eines Sterbebetts, Anton Keldenich (1923)
Foto: Jan Clevinghaus/Landschaftsverband Rheinland, Rechte vorbehalten - freier Zugang
Die dritte Ebene seiner Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit und der Verarbeitung von Trauer erlebt Keldenich im engsten Kreis der Familie. Er zeichnet 1923 ein Bild seiner sterbenden Mutter in einem der verletzlichsten Momente einer menschlichen Existenz. Betrachtet man diese auf den ersten Blick schwache, aber zugleich in sich ruhende Frau einen Moment, so lässt sich ein vermeintlicher Blick in die religiöse Weltanschauung des Künstlers werfen und dessen Glauben an eine transzendente Wirklichkeit nach dem irdischen Ableben. Somit lässt sich resümieren, dass Anton Keldenich multiple Ansätze in der Ausübung seines künstlerischen Schaffens verfolgte. Ein geradezu profaner Antrieb war die Arbeit gegen Bezahlung. In seinen Skizzenbüchern finden sich zahlreiche Zeichnungen von Grabkreuzen, welche er für gefallene Kameraden anfertigte. Zusätzlich malte er Ölbilder für die Dorfbewohner von Großbüllesheim. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass Keldenich nebst seinen vielen kriegskonnotierten und religiösen Darstellungen in einem großen Maß das Leben selbst thematisiert. Seine Skizzen und Zeichnungen des Alltäglichen finden sich an vielen Stellen teils rudimentär oder auch minuziös ausgestaltet wieder. 1936 stirbt Keldenich als Kritiker der seit drei Jahren herrschenden Nationalsozialisten und überzeugtes Mitglied der Zentrumspartei in Großbüllesheim.
Weiterführende Literatur
SCHUSTER, Eva: Der Tod, ein immerwährendes Thema der bildenden Kunst, in: SCHUSTER, Eva (Hrsg.) Das Bild vom Tod. Graphiksammlung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Recklinghausen 1992. S.9-22.
THOMAS-ZIEGLER, Sabine: Anton Keldenich - ein Dorfmaler schildert den ersten Weltkrieg, in: Kriegs(er)leben im Rheinland. Kommern 2014. S. 11-34.