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DokumentKochschule 1911

Beschreibung: Schwarz-weiß Fotografie einer Gruppe von siebzehn jungen Frauen in langen Kleidern und mit Hochsteckfrisuren. Sie sitzen bzw. stehen in drei Reihen vor einer mit Efeu bewachsenen Ziegelmauer auf einem gepflasterten Weg. Rechts und links von der Gruppe sind Fenster im kreuzförmigen Rahmen und weißen Spitzengardinen zu sehen. Auf beiden Seiten dieses Weges ist eine kleine Abgrenzung in Form einiger Holzpflöcke und gespannter Schnüre oder Drähte zu erkennen. Dahinter scheinen sich Gartenbeete zu befinden. Die meisten Frauen schauen mit ernstem Gesichtsausdruck direkt in die Kamera. Die Fotografie ist auf einer Inventarkarte befestigt, darunter wurde handschriftlich "Kochschule 1911 (vgl. auch Bild Nr. 3)" notiert. Links unten findet sich ein Stempelaufdruck: "Aus Privatbesitz: Eigentum des Geschichtsvereins incl. aller Rechte". In ein freies Feld wurde wiederum handschriftlich "Angelika Schmitz 10//83" eingetragen. In der rechten Ecke der Inventarkarte steht ebenfalls handschriftlich "Negativ + Poster vorhanden".
Kontext: Das Gruppenfoto hat Bezug zu einem Kochkurs, der 1911 in Wollersheim (Nideggen) veranstaltet wurde. Unter dem Titel "Haushaltungsschule" fand der Kurs auf Anregung des Landrates Kesselkaul als achtwöchiger Probekurs der Kreiswanderkochschule im Frühjahr 1911 im Haus von Martin Langen, Zehnthofstraße 62, mit 17 jungen Teilnehmerinnen statt. Bei den Frauen handelte es sich hauptsächlich um frisch Verheiratete, die im Kurs lernen sollten, selbstständig einen Haushalt zu führen, Mahlzeiten zuzubereiten und die Ausgaben und Kosten zu überwachen. Laut eines Zeitungsartikels aus der Dürener Zeitung vom Juli 1912 verlief dieser Probekurs derartig erfolgreich, dass man im kommenden Jahr zwei weitere Haushaltungskurse im Kreis Düren, in Ellen und Nideggen-Berg, anbot, die laut des Artikels ebenfalls zahlreiche Anmeldungen verbuchen konnten. Margareta Henn, die Tante des Verleihers, nahm am Wollersheimer Kurs teil und verfasste während der acht Wochen ein eigenes Rezeptbuch, in dem sie nicht nur Anleitungen für die erlernten Gerichte notierte, sondern auch die jeweiligen Ausgaben für die benötigten Lebensmittel und die Seitenzahlen festhielt. Anhand der von ihr eingetragenen Datierungen auf jeder Seite, kann man genau nachvollziehen, an welchem Tag welche Gerichte gekocht wurden und in welcher Speisenfolge sie miteinander kombiniert wurden. Im Anschluss an diesen Teil des Buches notierte Frau Henn weitere, nun nach Kategorien sortierte Rezepte, u.a. Nachspeisen, Kuchen, Salate. Auf den letzten Seiten des Buches findet sich ein detailliertes, handgeschriebenes Inhaltsverzeichnis. Das Rezeptbuch wurde, laut Aussage des Verleihers, von Margareta Henn lange benutzt. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges ging es verloren und wurde erst Jahrzehnte später auf dem Dachboden des Wohnhauses der Familie in Wollersheim wiederentdeckt. Auf dem Gruppenbild ist Margareta Henn in der zweiten Reihe rechts außen, etwas abseits der anderen Frauen, zu erkennen. Die Fotografie wurde wahrscheinlich im Garten des Hauses Zehnthofstraße 62 in Wollersheim aufgenommen, in dem auch der Kochkurs stattfand. Sie stammt aus dem Frühsommer 1911 und befindet sich heute im Besitz des Geschichtsvereins Wollersheim e. V..
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