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ObjektAnsichtskarte

Beschreibung: Historische Ansichtskarte mit einer aufgedruckten Liedstrophe und einer passenden, farbigen Zeichnung auf der Vorderseite. Die Strophe lautet: "Ein Wanderbursch zog einst zur 'Lindenwirtin' ein, und sie verzapfte ihm von ihrem besten Wein. Bald war vom Zechen denn auch schon sein Beutel leer, für weitern Wein gab er fast alle seine Kleider her. Und als er dann noch weitertrinken wollte, schlug ihm die Wirtin vor, er sollte sein Herze ihr verpfänden für den Durst. - Er tat´s, - ihm war ja alles Wurst.", auf der Abbildung sieht man den erhöht liegenden Garten des Gasthofes "Zur Lindenwirtin", in dem ein einzelner Mann an einem Tisch sitzt, der rund um eine große Linde angebracht ist. Er ist im Begriff, aus einem Weinglas zu trinken, während eine Frau mit kurzen Haaren und rotem Kleid vor ihm steht und ihm einen Schuh auszieht, der andere Schuh liegt bereits auf der Wiese und die Kleidung des Mannes wirkt auch ansonsten unvollständig. Im Baum hängt ein Spazierstock und auf dem Tisch steht eine leere Flasche Wein. Im rechten Hintergrund ist die Godesburg auf ihrem Hügel zu erkennen. Am Fuß dieses Hügels sind weitere Häuser zu sehen. Auf der linken Seite steht das Gasthaus "Zur Lindenwirtin", das über eine abwärtsführende Treppe zu erreichen ist. Die Karte wurde beschrieben und nach Magdeburg verschickt. Der Poststempel ist durch das Entfernen der Briefmarke nahezu unleserlich geworden, doch eine handschriftliche Angabe ergänzt den fehlenden Teil des Datums, demnach wurde die Karte am 3. Oktober 1927 geschrieben und verschickt.
Kontext: Der "Gasthof zu Godesberg" wurde 1878, nach dem Tod ihres Vaters, von der damals 18jährigen Anna "Aennchen" Schumacher, ihrer Mutter und Schwester übernommen. Nach dem Tod der Mutter führten die Schwestern den Gasthof alleine weiter. Aennchen erlangte, vor allem durch ihre musikalischen Einlagen, schnell Bekanntheit, so dass sich viele Studenten im Gasthof versammelten, um ihr zuzuhören. Zahlreiche Lieder wurden im Laufe der Jahre auch über sie gedichtet. Die Strophe, die auf der vorliegenden Karte abgedruckt ist, stammt aus dem damals bekannten Studentenlied: "Keinen Tropfen im Becher mehr", das eigentlich nichts mit Aennchen Schumacher zu tun hatte, von ihren Verehrern aber umgedichtet wurde. Da vor dem "Gasthof zu Godesberg" eine Linde stand, konnte man Aennchen ohne Weiteres mit der beschriebenen "Lindenwirtin" identifizieren. Im Laufe der Zeit erschienen zahlreiche Ansichtskarten mit Abbildungen des Gasthofes und Strophen aus der "Lindenwirtin". Aennchen selber sammelte die in ihrem Gasthof vorgetragenen Lieder und veröffentlichte sie als kleines Büchlein. Nach ihrem Tod im Jahre 1935 wurde der Gasthof in "Zur Lindenwirtin Aennchen" umbenannt und entwickelte sich zu einem beliebten Auftrittsort der Bonner Musikszene. 1971 musste das baufällige Fachwerkhaus aus dem Jahre 1647 abgerissen werden, drei Jahre später konnte das Gasthaus unter gleichem Namen wieder neu eröffnen. Seit einigen Jahren wird im "Aennchen" ein Gourmet-Restaurant betrieben. Im Gastraum kann die Postkartensammlung der ehemaligen Wirtin besichtigt werden.
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